Amateur Radio

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Diesmal beginnt meine Geschichte mitten drin statt am Anfang. Vor einigen Jahren bin ich umgezogen. Nicht lange danach habe ich meine neue Nachbarin kennen gelernt. Eine ganz nette ist das. Sie hat unsere erste Unterhaltung folgendermaßen angefangen:

Du bist doch der Steffen. Mein Mann war der Klaus. Er hat sich immer vorgestellt: Ich bin der Klaus, vorne mit K und hinten mit Laus. Ihr wart immer beim Funken, und er war total begeistert von dir.

Das hat mich total umgehauen. Zum einen stimmt es tatsächlich das Klaus „DG6NAB“ sich immer so vorgestellt hat. Zum anderen sind durch dieses Gespräch schlagartig so viele tolle Erinnerungen hochgekommen. Unabhängig dessen war mir nicht klar das er eine so hohe Meinung von mir hatte. Diese Unterhaltung ist bei mir hängen geblieben wie wenige andere davor.

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Seit meine Kinder auf der Welt sind mache ich mir viele Gedanken darüber, wie ich sie fördern kann. Ihnen meine Werte, Einstellung und vor allem die Grundlagen vermitteln kann. Es ist meiner Meinung nach viel zu viel auf der Strecke geblieben was für mich die Basis meines Wissens ist. Es studiert ja heute jeder. Das gehört zum guten Ton. Das ist auch in Ordnung. Aber ich habe keine Ahnung wie ein junger Mensch auf die Idee kommt Mechatronik zu studieren wenn er dazu so wenig Bezug hat, das er nicht weiß was eine Schieblehre ist. Oder wenn ein Elektrotechnik Master of the Universe bisher nichts von einem Biegeradius gehört hat. Ja selbst der klassische Weinbauer der von der pieke auf und über Jahre gelernt hat wie er seine Weinstöcke hegt und pflegt damit am Ende ein guter Tropfen herauskommt, ist heute nach kürzester Zeit Bachelor of Oenologie, Das kann man nicht mal aussprechen… Aber lassen wir das. In der Praxis geraten diese Personen bei mir zumeist an den falschen wenn sie was wissen wollen. Nicht weil ich sie nicht mag, sondern weil ich ein ganz schlechter Lehrer bin. Bei meinen Kindern allerdings versuche ich mir Mühe zu geben.

Ich schweife ab.

Ich sammelte also gerade Ideen mit denen man Grundlagen vermitteln kann als meine Nachbarin gerade um die Ecke kam. Da sind wieder die Erinnerungen an Damals hochgepoppt, und ich hatte ein neues Projekt für meine Zwerge vor Augen.

Teil 1: Ein 80m Band CW One Stage Transmitter
Teil 2. Ein passender Receiver

Wie komme ich da drauf?
Laut DARC dürfen in Deutschland aktuell lediglich 50867 Personen

  • ihre Funkgeräte komplett selbst bauen.
  • kommerzielle Geräte nach belieben modifizieren.
  • Ausbildungsfunk betreiben.

Und ich bin einer davon.

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Aber warum ist mir das alles so wichtig?

Da es in meiner Jugend keine Handys gab hatten wir alle CB Funkgeräte und abends war jeder „On Air“. Im zarten Alter von 16 Jahren, also im Frühjahr 1993, sind dann ein paar Freunde und ich in den Amateur Radio Club Main-Spessart eingetreten. Dort sind wir von den OM‘s (Old Man) was sie eigentlich noch gar nicht waren, an das heiße Zeug herangeführt worden. In regelmäßigen Lernrunden wurden wir unterstützt für die Amateurfunkprüfen zu büffeln. Währenddessen durften wir unter Aufsicht an die Clubstation DELTE GOLF ZERO MIKE SIERA PAPA „DG0MSP“, und haben verschiedene Dinge gebaut. Antennen, ein RTTY Modem, 70cm Richtfunkempfänger und Baken (Füchse) für ARDF und eben auch einen CW Transmitter für den wir eine Spule auf eine Klopapierrolle gewickelt haben. 

Neben der Ausbildung (ja, sowas habe ich tatsächlich gemacht) wurde also fleißig Theorie und Gesetzeskunde gebüffelt und am Simulator wurde Betriebstechnik, also das Morsen geübt. Im Sommer ging es dann in die heiligen Hallen der BAPT „Bundesamt für Post und Telekommunikation“ um die Prüfung zu machen. Da wir noch keinen Führerschein hatten, hat der damalige Vorstand Andreas (DL4NDU) den Transport nach Nürnberg organisiert.

Die Atmosphäre war ehrfurchtgebietend. Im Wartebereich vor den Prüfungsräumen herrschte eisernes schweigen. Niemand gab auch nur einen Ton von sich. Von dort ging es in den Prüfungsraum für das schriftliche wo jede Menge Post’ler in ihren grauen Kitteln patrouillierten. Und von da wieder zurück in den Wartebereich wo man zur Morseprüfung ausgerufen wurde. Man kann es sich wie Dantes Inferno vorstellen. 

Der Morse-Prüfer hat reihenweise gestandene Männer zu weinen gebracht. 

Ein junger Mensch wie ich es zu der Zeit war, hat in dieser Situation selbst das Sprechen vergessen. An Morsen war deshalb schon gar nicht zu denken. Und so ging es dann ohne die bestandene Morseprüfung nach Hause. 

Damals noch unter Vorlage des polizeilichen Führungszeugnisses und mit dem Vermerkt das die Genehmigung bis zum erreichen des 18. Lebensjahres jederzeit widerrufen werden kann, erhielt ich die Amateurfunk-Lizenz der Klasse 2 nach CEPT T/R 61-01 und der nationalen Klasse C. Also leider ohne Kurzwelle und auch ohne dicke Leistung.
Für die bestandene Lizenz gab es dann noch das Antennenbuch von Karl Rothammel signiert vom Vorsitzenden des Ortsvereins. Erste Sahne!

Da wir nun offiziell auf den Amateurfunkbändern senden durften gab es am laufenden Band Events. Mit dabei war auch immer Klaus. Und wenn Klaus dabei war, gab es auch immer Rollbraten, weshalb es für mich der Rollbraten-Klaus war. Ein paar Monate später war es dann auch Klaus der mich erneut nach Nürnberg chauffiert hat, um meine Morseprüfung zu wiederholen. Diesmal ging es mit der bestandenen Kurzwellen-Lizenz nach Hause wo mir Klaus noch ein in die Jahre gekommenes Yaesu FT-77 überreicht hat. Grandios, denn man hatte ja als Azubi kein Geld für irgendwas.

An dieser Stelle muss man noch erwähnen das das Rufzeichen von der Lizenz abhängig war. Hat man eine größere Lizenz erhalten, hat sich automatisch das Rufzeichen geändert. Monate lang hat man am Simulator geübt, und wenn man dann endlich Morsen darf soll man plötzlich ein neues Rufzeichen verwenden. Die ganzen QSLs die man unter seinem Rufzeichen schon hatte plötzlich dahin. Das ging für mich garnicht. Wollte man sein Rufzeichen behalten musste man extra einen Antrag stellen. Hierbei hat mich Eberhard „DD7YE“ tatkräftig unterstützt.

Desweiteren war es bei Funkern üblich, das man für alles eine eigene Antenne hatte. Meinen Eltern war nicht zu vermitteln warum ich eine 5 Meter lange Sigma auf dem Dach benötige und zusätzlich eine 2 Meter lange Comet GP für’s 2m Band die ja genauso aussieht nur kleiner. Geschweige denn noch zusätzliche Richtantennen. Also ging das „richtige“ Funken nur im Club oder eben mobil.

Ab 1994 gab es kein halten mehr. Wir waren überall dabei. Mal haben wir den 18m Mast auf den Geiersberg geschleppt, und mal zur alten Radarstation auf die Sohlhöhe. Bei jedem Contest haben wir mitgemischt und Nachts im Schichtdienst die Frequenzen abgegrast. Es gab Fuchsjagten beispielsweise in Adelsberg oder am Bischborner Hof, Tests im Gigaherzbereich. Projekte mit ATV „Amateurfunk Fernsehn“. EME „Erde-Mond-Erde“ Funkbetrieb bei dem der Mond als Reflektor diente.

Zu alle dem habe ich mit meinem Paps nach dem Vorbild des großen Mastes eine 10m Version gebaut. Dafür gabs noch einen Rundstrahler und einen Kurzwellen-Beam. Wenn es nicht mit dem Club auf den Berg ging, sind wir selbst ausgerückt. Mit der Sendeleistung hat man‘s ab und zu auch nicht so genau genommen. Und mit einem Beam auf einem Mast und ordentlich Sendeleistung brannte der Äter. Anders als der Boden, denn der war an Weihnachten gefroren. Und Mastabspannungen in gefrorenen Boden zu Schlagen, naja. Auf jeden Fall hat sich an Weihnachten die Gegenstelle im australischen Outback genauso gefreut, wie ich als ich die QSL Karte im OV Heim überreicht bekam. Scheiße, da bekomme ich Gänsehaut.

Hier soll noch ein Bild von ein paar QSL Karten rein. Die muss ich aber erst finden 🙂

Durch diverse Änderungen und letztlich die Amateurfunknovelle (AFuV) bin ich inzwischen Inhaber des HAREC (Harmonized Amateur Radio Examination Certificate) oder auf Deutsch, Klasse A. Alle Bänder, alle Betriebsarten volle Power. Da kann man die Sendeleistung erhöhen, bis der Induktionsherd vom Nachbar anfängt, im Takt der Morsesignale zu pfeifen.

Über die Fortschritte beim CW Transmitter und Receiver werde ich berichten.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei allen Mitgliedern des damaligen OV für die tolle Zeit und die unvergesslichen Erlebnisse bedanken. Dabei geht mein besonderer Dank an Klaus, Andreas und Eberhard. In diesem Sinne…

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