Commodore 64

Im zweiten Teil meiner Reihe möchte ich zeigen wie sich die Computertechnik während der Zeit in der ich sie nutze, verändert hat. Ich habe immer wieder den Eindruck das viele die Begriffe kennen aber nicht wirklich wissen was da überhaupt los ist. Hier möchte ich Datenmengen, Datenraten und Rechenleistung greifbar machen und eine Art Vorlage an die Hand geben, wie man diese Begriffe auch Kindern oder digitalen Einsiedlern verdeutlichen kann – gerade dann, wenn die Glasfaserleitung wieder mal zu langsam ist oder das 5G am Handy die Eieruhr rotieren lässt. Da der gesamte Beitrag sonst zu unübersichtlich wird, kann man die Grafischen Darstellungen mit einem klick auf das Blaue Pfeilchen Ein- und wieder Ausblenden.

Die Schlauberger unter euch werden während dem Lesen sagen: „stimmt ja alles nicht“.
Zumindest würde ich mir das denken. Da gibt es ja Stopp Bits, Parity, Kompression, Parallel Slowdown, Collision Avoidance, oder gar Protokoll Overhead, und vieles mehr. Ja das stimmt alles aber das geht zu sehr in die Tiefe und das lasse ich bei meinen Darstellungen und Rechungen bewusst weg, und zeige nur die Brutto Daten und Datenraten. Auch sind die Jahres- und Größenangaben keine Wissenschaftlich ermittelten Min, Max oder Mittelwerte, sondern von mir geschätzte Angaben. Also los gehts…

Speicherkapazität

Digital kommt vom Wort „digitus“ was Finger heißt. Da Menschen seit jeher mit den Fingern Zählen entstand daraus im englischen der Begriff Digital, für Ziffer. Im Digitalen werden Informationen in exakte, einzelne Werte zerlegt. Die Grundlage für frühe Rechenmaschinen und Computer ist das Binärsystem. 1 oder 0, Strom fließt oder nicht. Das ist die Basis und nennt sich Bit. Die nächst größere Einheit nennt sich Byte. In der Pionierzeit der Computer war die Größe eines Byte variabel und konnte aus 3 bis 12 Bit bestehen. Erst durch IBM wurde in den 1960ern der Standard von 8 parallelen Datenleitungen etabliert, da IBM damals den Markt beherrschte. Die Entwickler überlegten wie viele verschiedene Zeichen man darstellen will, und hat sich auf 256 geeinigt also 8 Bit.

Da Computer im Binärsystem (Basis 2) rechnen, passt der Teiler nicht beim SI-Präfix 1000, sondern bei 1024 und nennt sich dadurch IEC-Präfix. Demnach ist ein Kilobyte 1024 Byte groß. Die Schreibweise der Einheiten ist im Internet eine wilde Mischung. Hier kommen Kilobyte, KB, kByte, KiB und viele mehr zum Einsatz.
Mein erstes Speichermedium mit dem ich gearbeitet habe, war die Datasette. Auf 30 Minuten Band passten 100 kByte was 102.400 Zeichen/Buchstaben entspricht. Zur Einordnung: Ein durchschnittlicher Krimi/Thriller hat ~170.000 Buchstaben.

JahrMediumSpeicherplatzDetails / Schnittstelle
1983Datasette100 kByte100 kByte a 30 Minuten Band
19845¼“ Diskette166 kByte166 kByte pro Seite

Somit passen auf eine Seite einer 5¼“ Diskette 169.984 Zeichen.

JahrMediumSpeicherplatzDetails / Schnittstelle
19873½“ Diskette720 kBytez.B. Amiga
1987MFM-Festplatte20 MB’yte‘Zorro II Bus – Commodore Amiga
ISA Bus Einsteckkarte – x86 PC
19903½“ Diskette1,44 MBx86 PC
1990ATA-Festplatte40 MBISA Bus Einsteckkarte – x86 PC
1991SCSI-Festplatte100 MBISA Bus Einsteckkarte – Industrie Standard
1998CD ROM650 MBCD RW mit bis zu 700 MB
2000Ultra ATA/PATA30 GBPCI Einsteckkarte oder OnBoard – x86 PC
2003DVD RW4,7 GBUnterschiedliche Standards

Auf eine DVD passen 29.688 5¼“ Disketten

JahrMediumSpeicherplatzDetails / Schnittstelle
2004SATA200 GBPCI Einsteckkarte oder OnBoard
2006BlueRay25 GBBlueRay RW mit bis zu 75 GB
2006SATA II400 GBPCI Einsteckkarte oder OnBoard
2025M.2 SSD4 TBMulti Layer Cell Solid State
2026SATA III / SAS 444 TBHAMR Mozaic 4+

Hier sei angemerkt, das solche Festplatten aktuell für Rechenzentren gebaut werden und weniger für den Heimanwender.

Es ist also interessnat wie verschwenderisch wir seit langer Zeit mit Speicherplatz umgehen.

Datentransferraten

Kommen wir zum nächsten Punkt, und zwar wie schnell Daten von A nach B kommen. Mit welcher Technologie das gemacht wird ist erst mal egal. Die App liegt im App-Store und soll aufs Handy. Die Daten liegen im Speicher und müssen zur CPU.

Jeder der mit IT etwas zu tun hat sollte es kennen: Wargames! Wenn nicht das Buch, dann den Film. David Lightman dringt mit seinem überragenden IMSAI 8080 in einen Militärischen Supercomputer ein, und startet dadurch versehentlich den Weltweiten Thermonuklearen Krieg. Hat mich sehr in den Bann gezogen. Wargames das Buch hat 24047 Worte welche zumeist durch ein Leerzeichen getrennt werden. Im deutschen hat ein Wort durchschnittlich 6 Buchstaben, wobei wir mit Leerzeichen bei 7 sind.. Somit hat das Buch 168329 Buchstaben und passt gerade so, wenn nicht perfekt auf eine 5¼“ Diskette. Dieses Buch ist nun unsere Basis.

Zugegeben, ich hatte zunächst mehrere andere Bücher im Sinn. Zum Beispiel Colossus von D. F. Jones oder Nineteen Eighty-Four (1984) von George Orwell. Die hatten aber knapp über 300.000 Buchstaben, weshalb sie zwar auf eine 5¼“ Diskette gepasst hätten, aber nur mit Diskettenlocher und das hätte meine Rechnung verfälscht. Also hab ich geschaut und bin im Keller auf das Buch Wargames gestoßen. Das war ein sogenanntes „Movie Tie-in“. Bedeutet basierend auf dem Drehbuch geschrieben, und diese sind zwangsläufig ehr kürzer. Also gehen wir damit ins Rennen.

JahrVerbindungDatenrateDetails
1983Cassette Port800 Bit/s300 Baud – Pulse Length Encoding
Datasette
1983User Port960 Bit/s1200 Baud – 8N1
z.B. Akustikkoppler
1983Commodore Serial Bus3,2 kBit/sIEC-Bus
Diskette
1996ISDN64 kBit/spro Kanal, max 128 kBit/s
2000DSL768 kBit/sAsynchron
2004DSL 20002000 kBit/sOption zu FastPath

Um im Jahr 1983 das Buch „Wargames“ in Digitaler Form von einem BBS zu laden, hätte man theoretisch 7 Minuten gebraucht. Das ging nicht weil man die Daten nicht schnell genug weg schreiben konnte. Im Jahr 1996 benötigte man dazu noch ca. 21 Sekunden. Im Jahr 2000 waren es noch 1,8 Sekunden und im Jahr 2004 noch 0,66 Sekunden. Bildlich gesprochen: 2004 konnte man gedruckte Bücher gar nicht so schnell aus dem Fenster werfen, wie man sie in digitaler Form heruntergeladen hatte!

JahrVerbindungDatenrateDetails
2006ADSL2+16000 kBit/s
2010VDSL50000 kBit/s
2026Glasfaser1 GBit/sFibre to the Home
2026LAN2,5 GBit/sNetzwerk
2026USB-C40 GBit/sThunderbolt 4
0,8 Sekunden pro Film

Ab 2004 lese ich keine Bücher mehr. Ich schaue nur noch DVD’s, weshalb ich mir den Film kaufen musste. Dazu gab es dann von 20th Century Fox die Option zu einer „Digital Copy“. Der Film hat 114 Minuten Spielzeit wodurch die DVD mit ~3,9 GB nicht ganz voll ist. Um die Sicherheitskopie herunterzuladen benötigte man 2004 circa 4,5 Stunden. 2010 benötigte man 11 Minuten. Wenn wir diese „Digital Copy“ heute mit Gigabit Glasfaser aus dem Netz laden, müssen wir lediglich 32 Sekunden warten. Um das für unser Buch zu übersetzen. Mit Glasfaser kann man jede Sekunde 6317 digitale Kopien vom Buch „Wargames“ herunterladen.

Rechenleistung

Gordon Moore hat während der Anfangszeit der Chipfertigung (Integrated Circuit) bzw integrierten Schaltkreisen bereits 1965 erklärt, das sich die Packungsdichte, oder eben die Anzahl von Transistoren auf einem Wafer innerhalb von 2 Jahren verdoppelt. Das konnte er zu der Zeit eigentlich noch gar nicht belegen, da es schlichtweg keine Vergleichswerte gab. Trotzdem gab ihm die damalige Entwicklung recht, weshalb es später das Mooresche Gesetz (engl. Moore’s Law) genannt wurde. Nach dem die Theorie aufgestellt war, wurde diese ehr zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Denn es sind verschiedenste Industriezweige an der Entwicklung besserer Mikrochips beteiligt. Diese müssen sich auf gemeinsame Meilensteine einigen und in ihrer Roadmap einplanen. Heute geht man von 18 Monaten aus.

Da die Packungsdichte und die Rechenleistung nur indirekt linear verlaufen, schauen wir uns der Einfachheit halber den MOS 6510 und einen Intel Core i7-14700K im direkten Vergleich an.

MIt der Einheit MIPS (Million Instructions Per Second) wird die Rechenleistung von älteren Prozessoren oder Mikrocontrollern ohne Fließkommaeinheiten gemessen. MIPS misst, wie viele Millionen Befehle ein Prozessor pro Sekunde ausführen kann. Das wäre wohl der fairste Vergleich.

  • Hier kommt der C64 auf ca 0.4 MIPS
  • Der Intel kommt auf mickrige 400.000 MIPS

Mit der Einheit FLOPS (Floating Point Operations Per Second) wird die Rechenleistung beim Berechnen von Fließkomma-Zahlen (Dezimalzahlen) gemessen. Da der C64 keine Hardware für Kommazahlen hatte, mussten diese mühsam per Software im BASIC berechnet werden.

  • Hier kommt der 64er immerhin auf rund 2 kFLOPS
  • Der Intel hingegen kommt bei Volllast auf wahnwitzige 1.500 GFLOPS

Gewichtet man das, ist eine moderne CPU im logarithmischen Mittelwert 22 Millionen Mal schneller als der MOS 6510. Um so beachtlicher ist es was man mit dem 64er damals schon alles machen konnte.

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